Vom Vierwaldstädtersee zum Rheinfall: Das weiche Wasser bricht den Stein?

Gestern noch waren wir über den Gipfeln der Alpen ganz oben. Heute geht’s heimwärts in einem Rutsch durch die Schweizer Kantone Tessin, Uri, Nidwalden, Zug, Zürich und Schaffhausen.

Nach einer guten Stunde sind wir am Vierwaldstädter See. 167 km schlängelt sich das Ufer dieses Sees der vier Kantone umfasst. Größtenteils hat es Trinkwasser-Qualität und noch mehr wie der Lago Maggiore schaut er sich an wie ein Staubecken zwischen den hohen Bergen vor allem dem St. Gotthard und dem Pilatus. Gestern war es Gestein und Höhe, heute ist es Wasser und Weite im Kontrast zu den Bergen.

Nach weiteren drei Stunden beschließen wir, kurz vor der deutschen Grenze noch Stopp am Rheinfall zu machen.
Ich kenn ihn von Fotos (ehrlich gesagt, hab ich mir immer irgendwie eine Art Niagarafälle eingebildet).

Doch was wir er-leben, ist im doppelten Sinne berauschend.
Wir parken auf der viel aufregenderen Schweizer Seite des Rheinfalls. Schon in großer Entfernung hören wir das Rauschen, das, als wir die langen Treppen und Felswege bis hinab unmittelbar ans Felsufer auf die kleine Plattform kommen, nun ohrenbetäubend wird.
Nicht lange halten wir es bei der Wucht der Elemente aus.

Fotos geben nur völlig harmlos wieder, was der Beobachter er-lebt: bis zu 1200 Kubikmeter in der Sekunde(!), also bis zu 72.000 t in einer Minute sind es, die sich über die Breite von 150 Metern, die der Fluss hier hat an Felsen vorbei 23 Meter in die Tiefe stürzen. Über dem ganzen Gebiet liegen die feinen Tropfen der spritzenden Wellen.
Die Wucht macht Angst und flößt Respekt ein.
Ich lese auf den Hinweistafeln, wie sich diese letzte Form des Flußverlaufs innerhalb von 15.000 Jahren herausgebildet hat.
Und ich spüre hier mit Vibrieren bis in die Knochen, welche Kraft diese erneuerbare Energie besitzt. Sie ist endlos. Denn die Sonne erwärmt immer wieder Meeres und Oberflächenwasser und hebt es in den Himmel, von wo aus es den Weg nach unten in Bächen, Flüsse und Meere sucht und so die Kraft zum Erzeugen von Strom mit sich trägt.
Endlos. Von unvorstellbarer Kraft.
Ist es ein Widerspruch, wenn die Bots singen:
Es reißt die schwersten Mauern ein
Und sind wir schwach und sind wir klein
wir wollen wie das Wasser sein
das weiche Wasser bricht den Stein. ?

Vielleicht: Wir können nicht wie Wasser sein. Oder erst in Zeiten höchst entwickelter solidarischer Kultur, Wasser gibt nach und weicht aus, sucht sich aber immer seinen Weg, durch Schlupflöcher, hintenrum, weich, aber wenn es in so großen Mengen fließt wie hier am Rheinfall, dann auch mit zerstörerischer Kraft, wie sie seit den Weihnachtstagen des Jahres 2004 mit dem Wort TSUNAMI weltweit bekannt wurde. Nicht weich, nicht suchend oder schlängelnd, sondern tötend über 230.000 Menschen in Asien.

Es kommt also darauf an, wie viel Wasser auf-taucht, ob es zu lenken und zu leiten ist, ob es nutzbar und produktiv werden kann, oder alles erschlägt.
Wir selbst bestehen zu 70% aus Wasser, ohne Wasser gibt es keine Landwirtschaft,
der Fluss gilt uns oft als Symbol des Schicksalsverlaufes.
Heute aber hier am Rheinfall ist es nicht das Element an sich, sondern nur die Kraft, auch die zerstörerische, und der potenzielle Ausweg aus der klimazerstörende Anwendung fossilere Energie.
Die Schweiz und Österreich produzieren beide mehr als 50% ihrer Energie aus Wasserkraft, Deutschland nur 3,4%. Die ist nicht nur objektiv bedingt.

Gipfel, riesige Seen und der größte Wasserfall Europas, mit diesen Superlativen wechseln wir über ins weiche Schwarzwälder Gebiet und finden nach einem vorzüglichen 3 Gänge-Menü (heute ist unser Hochzeitstag!) auch bald einen gepflegten Wanderer-Parkplatz und tiefen Schlaf.

(Dies Foto von unserer standesamtlichen Trauung am 18.9.2009 setzte ich heute bei facebook ein mit dem Text:
Heute vor DREI Jahren habe ich dich zum Altar geführt. Am Tag vorher, hast du mich ins Oranienburger Schloss ver-führt. Seitdem bin ich sooo gut gefahren und ge&verführt. Ich liebe Dich sehr, liebste Margot ! „Non, je ne regrette rien“ Das sage ich aus tiefstem Herzen hier in Locarno, wo ich vor 63 meine Erdenlaufbahn begann -selbst ein Kind der LIEBE!“
30 User setzen ihr „like“und 11 liebevolle Kommentare sind die Reaktion.
Schön.
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