Mailänder Scala – von Mecklenburg bis Manhattan.

Die Stadt mit hundert Gesichtern.

Ehrlich gesagt wollten wir Mailand eigentlich meiden. Zu gross, zu unübersichtlich, zu heiß.

Als wir endlich den etwas merkwürdigen Schlafplatz am Mailänder Stadtrand vor dem Friedhof San’t Arialdo gefunden haben und schon am Dort spürten, wieviel verschiedene Gesichter diese zweitgrößte Stadt Italiens haben könnte, entschieden wir uns zu einer SMALL-VERSION.

Nur einen der vielen Mercato coperto Communale, der städtischen Markthallen zu besuchen. Da wir am selben Tag noch in die Schweiz wollten, fiel die Wahl auf jenen an der Piazza Roberto Wagner. Ein ganzen Viertel hat seine Einrichtungen hier nach dem Bayreuther benannt: Juwelier Wagner, Metro-Station-Wagner, Café Wagner und eben auch Mercato coperto communale Wagner.

Bis wir dort sind, erleben wir 40 Minuten Stadtrundfahrt durch völlig unbekannte Sichten.

Schon in den Aussenbezirken fühlten wir uns mitunter an Mecklenburg oder den Osten von Brandenburg versetzt mit den vielen verlassenen ehemaligen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften(LPGs) oder anderen ehemaligen Betrieben, oder schlicht Privatbesitz mit noch immer ungeklärten Eigentumsverhältnissen.

Es muss hier in Norditalien irgendwann ein großes Bauernsterben gegeben haben, denn locker 10 diverse leerstehende beziehungsweise verfallende Bauernhöfe sehen wir beim Hineinfahren in die Metropole. Unvermittelt landen wir auf einmal in Betonsilos, Trabantenstädten, die gleichermaßen in Märkischen Viertel oder in Marzahn stehen könnten.

Alles anders in der Innenstadt. Enge Strassen, in denen die zwei Trambahngleise die Fahrbahn ausfüllen. Wenn also so eine Elektrische entgegenkommt, heisst es, mit dem Wohnmobil schön langsam und mit Blick in die Aussenspiegel ganz rechts fahren.

Kopfsteinpflaster, nein nicht wie in manchen Brandenburger Dorfstraßen, aus Kaisers Zeiten, eher wie aus Zeiten des Römischen Reiches. Und das durchaus auch auf breitesten Avenuen durch die Innenstadt. Zwischendurch schöne Häuser wohl um die 150 bis 200 Jahre alt, Straßenbahnen mal älter als die alten tschechischen, mal futuristisch wie ein Transrapid.

Kommunalpolitisch hat Mailand eine abwechslungsreiche Gesichte hinter sich: eine der Keimzellen der italienischen Arbeiterbewegung genauso aber auch Ausgangspunkt von Mussolini’s Marsch auf Rom, von 1945 an meist Linkskoalitionen von Sozialdemokraten und Sozialisten, aber ab 1991 auch Ursprung Von Berlusconis Lega Nord, später Partito de Liberta. Endlich seit 2005 wieder eine Mitte-Links-Koaliton, das tut gut zu wissen.

Die riesige Wolkenkratzer, die wie Vorbilder aus Manhattan, Bahrein oder Shanghai im Bahnhofsviertel unvermittelt in den Himmel zeigen, sind wohl noch ein Relikt der Berlusconi-Ära.

(Bild: die geplanten PORTA NUOVA TOWER in Mailand)

Der Markt an der Piazza Wagner ist klein und nicht so besondern vielfältig. Die getrockneten Tomaten jedenfalls, die Margot zum Einlegen mitnehmen wollte, gab’s nicht.

Heute ist Montag, da haben sowieso die meisten Geschäfte und auch Stände geschlossen.

Trotzdem – die 1 1/2 Stunden in der EBENE IN DER MITTE, denn das ist die Wortwurzel des Namens Mailand, zu besuchen. Ciao Milano, ciao Italia!

 

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