Florenz mit dem Roller, der unbeschnittene David und die Mühen der toskanischen Berge

Lago di Bilancino, (50030 Cavallina, Barberino Di Mugello, Firenze) das scheint der Starnberger See für FLORENZ zu sein, ich erkunde noch am Abend mit der ersten Roller-Fahrt IN Italien die Umgebung: riesiges Ausflugsgebiet, Parkplätze für Tausende von Autos, Segelschulen, Uferparks, Radwege und Wanderpfade, all dies wird an diesem verhangenen Septemberabend nur von einigen unentwegten Joggern genutzt.Ruhige Nacht, ganz einsam auf einer Halbinsel (2.BILD li.). Und am nächsten Morgen die Entscheidung, nicht über die Autobahn nach Florenz zu fahren, sondern die Landstrasse. Wieder wie in den Dolomiten, Serpentinen, Heizung anstellen, um den Motor zu kühlen, aber MOLLY (unser Wohnmobil) verlässt uns nicht und steigt treu wie ein Maulesel, bergauf, bergab.

An einer Tankstelle fülle ich Trinkwasser nach. Auf die Frage, ob es was kostet, fast entrüstet die Antworte: „Wie kommen sie denn darauf: Wasser!“ – (Ach wenn der Alte doch recht behält und Wasser weiterhin und wieder mehr als bisher COMMON, Gemeingut wird und bleibt)

Florenz ist riesig. 370.000 Einwohner hat die Hauptstadt der Toskana, aber 1,5 Millionen leben im Speckgürtel. So erscheint es uns auch endlos, bis wir an den im Wohnmobilführer angepriesenen Parkplatz Europa (43.75555N 11.30602E) kommen. Kurz vorher, in der Via Kassel (Parallelstrasse der Via Kiev und der Via Edinburgho) stehen lauter Wohnmobile. Na, da passen wir doch auch noch hin.

Nun das erste Mal das Experiment: mit dem Roller durch die wildfremde Großstadt, mit den tausenden kleinen Gässchen. Ohne Navi hätte ich mir das nicht zugetraut. So aber klappt es hervorragend. Florenz hat vermutlich so viele Roller, wie Hanoi Fahrräder. Sie bestimmen den Verkehrsfluss fast mehr wie PKW und LKW und so legt sich bald die Aufregung des neuen. Wie vorher ins iPhone programmiert finden wir mühelos die größte Markthalle und den grossen Markt wie auch den kleinen Flohmarkt, der entgegen der Aussagen im Führer nicht erst um 14:00 , sondern meistenteils schon um 13:00 zumacht.

Schluß- und Höhepunkt ist die Fahrt am Arno entlang zur Goldenen Brücke und dem Piazza della Signora mit dem Palazzo Veccio (es diente dem Rathaus einer der Städte meiner Kindheit, Fürth/Bayern(!!) als Vorbild. Auf der Goldenen Brücke entdecken wir eine Marmortafel, die an einem im 2.Weltkrieg humanistisch engagierten GERHARD WOLF erinnert. Erst Wikipedia klärt uns auf, dass es sich nicht um den berühmten DDR-Schriftsteller handelt, der wegen seines Unterschrift unter die Protestresolution gegen die BIERMANN-Ausbürgerung aus der SED ausgeschlossen wurde, sondern den gleichnamigen Konsul des Naziregimes in Florenz handelt, der offenbar vielen Gefährdeten das Leben rette.

Vor dem Rathaus steht Michelangelos bekannter DAVID.Und da die berühmteste Statue der Welt völlig nackt ist, fällt mein Blick auf das Geschlecht des Königs David. Und siehe da: Völlig unkorrekt stellte Michelangelo es un-beschnitten dar. Da erinnert mich daran, dass noch zu Zeiten dieses grossen italienischen Meistern die jüdische Beschneidung Anlass für Todesurteile gegen Juden war. Damit muss ein für alle Mal Schluss sein, ganz egal, ob sich der jüdische Ritus modernisiert oder nicht.

Von all dem ahnen die gefühlten 10% der japanischen Einwohnerschaft nichts, die hier ihre Camcorder, Iphones und Digital- apparate zum Himmel erheben…

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Es macht Freude durch das Gewimmel des florentinischen Verkehrschaos zurück in unser Via Kassel zu kommen. Nach einem kleinen Nickerchen wird der Roller wieder festvertäut und weiter geht die Fahrt in das (scheinbar) nahe Siena. Nur 57 km sind auf der Strecke über die Staatsstraße angegeben, Es werden mit Pause aber mehr als 3 Stunden durch die toskanischen Berge. Sie muten so flach an, sie sind immer noch (oder nach heftigen Niederschlägen wieder?) grün, überraschen uns nach mancher Kurve mit Riesen-Rosmarin-Sträuchern und den Tausenden von hochgewachsenen Pinien. Dennoch: mit einem schwerbeladenen 3,5 Tonner ist die Fahrt anstrengend, zumal wir in Siena angekommen (Die Stadt auf den drei Bergen!) nach der aufregenden Fahrt Steilhänge hinaus, und steile Strassen hinab, feststellen müssen, dass der See, den wir auf Google-maps-Satellit entdeckt hatten, ein fest eingezäunter privater und unwirtlicher Fischweiher ist.

So bleibt dann doch nur der große Parkplatz des Sportstadions PALASPORT ( 43.33343N 11.31691 E), obwohl mitten in der Stadt relativ ruhig, wenn man von den spät abends eintreffenden unverkennbar und unüberhörbar fränkelnden Fürthern (die zweite Erinnerung heute!) absieht, die aber auch nach 20 Minuten Ruhe geben.

Morgen also in die Achterbahn-Stadt SIENA. Buona notte.

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